Konzertberichte
Doll By Doll, The Castle, Richmond
- Medium
- Melody Maker
- Autor
- Ian Pye
- Datum
- 13. September 1980
- Sprache
- Englisch
- Zugang
- Online
Ian Pye bespricht in der Rubrik „Caught in the Act“ des Melody Maker (13. September 1980) einen Auftritt von Doll By Doll im Londoner Vorort Richmond (The Castle). Die Band sei „so rätselhaft, dass es wehtut“: Sie verwirre und beunruhige weiter, pendle zwischen verdrehten Schichten schreienden Lärms, schmerzhaft in der Lautstärke, und exquisiten Momenten blendender Erfindung, die das erstaunliche Versprechen einzulösen drohten, das sie zu Beginn gezeigt hätten. Die frühen Konzerte seien mit der Begeisterung der schon Bekehrten aufgenommen worden, getragen von einer Mystik, die sich um die Texte mit ihren literarischen Anspielungen und dunklen psychologischen Bekenntnissen gebildet habe; Jackie Leven sei als kraftvolle, charismatische Figur hervorgetreten.
Das erste Album Remember sei typisch verwirrend gewesen und habe die Livewirkung nur andeutetee; nach dem zweiten, Gypsy Blood, sei ein Teil der kommerziellen Glaubwürdigkeit zurückgekehrt. Es enthalte einige ausgezeichnete Lieder, bleibe aber wieder hinter den „oft atemberaubenden“ Konzerten zurück.
In Richmond hätten eine unsichere PA und ein anfangs unscharfer Mix den Abend nur geringfügig getrübt, es sei eine Darbietung „verzehrender Leidenschaft“ gewesen. Bei „Teenage Lightning“ und „Strip Show“ erkundeten sie Gebiete, die kaum jemand vorher gehört habe; Levens Stimme steige „wie ein prähistorischer Vogel“ darüber auf. Jo Shaw habe sich zu einem Gitarristen von hypnotischer Intensität und atemberaubender Bandbreite entwickelt, der hinter Levens riesigen Bänken perlender elektronischer Klänge durchdringende Linien spiele, über dem beharrlichen Rhythmus von Schlagzeuger Dave McIntosh und Bassist Tony Waite. Nur Levens Angst, vertraut zu klingen, hindere sie daran, sich ganz in die Adern weißen Souls fallen zu lassen, die durch ihre Musik laufen. Alles werde mit finsterer Bedrohung vorgetragen, gelegentlich unterbrochen vom exklusiven Flüstern der Bandmitglieder untereinander; langsame, sich windende Intros setzten die Stimmung, bevor eine schleichende Bedrohung von hinten zupacke wie ein Schraubstock. Pye zitiert dazu Textzeilen aus „Teenage Lightning“ und „Hell Games“.
Nachdem Bands wie Joy Division und Echo & The Bunnymen den Weg für riskante, abenteuerliche Musik geöffnet hätten, solle Doll By Doll, wenn es Gerechtigkeit gibt, ihren Tag bekommen. Als Zugabe spielten sie „Palace Of Love“ (im Druck „Place Of Love“) und verließen die Bühne in einem Gewirr würgender Rückkopplung; Leven habe wie erstarrt in die Ferne geglotzt, bevor er die Band rasch hinausführte.
Zusammenfassung in eigenen Worten; den Wortlaut enthält das Original.
Doll By Doll are so enigmatic it hurts. They continue to confound and disturb, veering from twisted layers of screaming noise, almost painful in magnitude, to exquisite moments of dazzling innovation which threaten to fulfil the astonishing promise shown when they first came under the media's eye.
Jo Shaw has evolved into a guitarist of hypnotic intensity and breathtaking range.
Now that bands like Joy Division and Echo And The Bunnymen have opened the way for new music of risks and adventures, Doll By Doll should, if there's any justice, have their day.
Quelle
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