Interviews
Jackie Leven
- Medium
- The List (Edinburgh/Glasgow), Festivalausgabe; heute list.co.uk
- Autor
- Doug Johnstone
- Datum
- Juli 2008
- Sprache
- Englisch
- Zugang
- Online
Der Artikel von Doug Johnstone in der Festivalausgabe von The List (Edinburgh/Glasgow) kündigt Levens Auftritt im Cabaret Voltaire in Edinburgh am 8. August 2008 an (Eintritt acht Pfund). Der Aufhänger ist die Unterschätzung: Während man „Underground-Legenden von jenseits des Teichs“ lobe, bleibe Schottlands „eigener talentierter Außenseiter“ unbeachtet. Leven lacht: „Ich kann in diesem Land nicht verhaftet werden“ – wohl aber seien seine letzte Single und sein letztes Album in Deutschland in die Charts gekommen, und in Nordeuropa komme er überall gut an. Johnstone lobt, dass er über den mangelnden Erfolg in der Heimat ohne Bitterkeit spricht; der 58-jährige Fifer werde die nächsten sechs Monate durch die Welt touren, darunter China, Australien und Kanada, „fast immer vor größerem Publikum als in Großbritannien“.
Der Autor ordnet das Werk ein: In einer 35-jährigen Karriere habe Leven einen umfangreichen, vielfältigen Katalog angehäuft, „irgendwo zwischen der eigenwilligen Kunst von Tom Waits und dem griesgrämigen, literarischen Folk von Bob Dylan“, durchzogen von „typisch schottischer Selbstironie“. Nach allem von Psychrock bis Punk habe er sich zuletzt auf einen „vollendeten bluesigen Folk“ festgelegt, Songwriting und Gitarrenspiel auf dem aktuellen Album Lovers at the Gun Club stärker denn je. Früher habe er Probleme nicht suchen müssen – die Biografie nenne den Verlust der Stimme für zwei Jahre nach einer beinahe tödlichen Strangulation und die folgende Heroinsucht –, doch 2008 finde man ihn in guter Laune.
Leven selbst sagt: „Ich habe ein Alter erreicht, in dem man sagt: ‚Moment mal, soll ich wirklich schmollend um die Welt trotten?‘ Man muss Spaß haben und an die eigenen Songs glauben, so einfach ist das.“ Mit über zwei Dutzend Alben sei er zwar produktiv, aber nichts im Studio oder auf der Bühne sei sorgfältig geplant – er möge „das ständige Gefühl, nicht genau zu wissen, was passiert“. Die neue Musik, die er auf Festivals und Konzerten sehe, begeistere ihn: Es werde mehr Mühe investiert als eine Zeitlang. „Nach Punk ging es nur um Attitüde, aber Attitüde ist nicht sehr nahrhaft, und am Ende wollen die Leute von ihrer Musik gespeist werden. Ich jedenfalls.“
Zusammenfassung in eigenen Worten; den Wortlaut enthält das Original.
I can't get arrested in this country, but my last single and album both charted in Germany, and I do well right across northern Europe.
I've reached an age where you say, “Wait a fucking minute, am I going to trudge around the world being in a sulk?” You've got to have fun and believe in your own songs, it's as simple as that.
After punk, people were all about attitude, but attitude is not very nutritious and in the end people want to be fed by their music. I know I do.