Konzertberichte
Konzertkritik Jackie Leven at Borders Bookshop, Oxford Street, London
- Medium
- Uncut
- Autor
- Gavin Martin
- Datum
- 5. Oktober 2001
- Sprache
- Englisch
- Zugang
- Webarchiv
Gavin Martin berichtet im „Uncut“ von einem Solo-Auftritt Jackie Levens am 5. Oktober 2001 in der Buchhandlung Borders an der Londoner Oxford Street. Vor einem Publikum, das mehrere Generationen umfasst, sitze der „große Mann in Jeans“ zwischen Bücherregalen sichtlich zu Hause: Leven habe in drei Jahrzehnten als Troubadour viel aus dem geschriebenen Wort geschöpft, von deutscher Literatur bis zum Kriminalroman. Auch seine bekannten schweren Zeiten, seine Sucht und der frühere kommerzielle Misserfolg hätten seine Entschlossenheit gestärkt und seine Kreativität genährt. Das „überragende“ neue Album Creatures of Light and Darkness belege erneut seinen Rang als der naturalistischste und tiefgründigste Bluesmusiker der britischen Inseln.
Der Solo-Leven, so Martin, sei etwas anderes als die warmen Arrangements seiner Platten: Seine Haltung wirke respektlos, beiläufig und nachlässig und stehe im Kontrast zur verwundeten, aber liebevollen Feierlichkeit im Kern der Lieder. Leven erzählt zu Beginn, er habe fast vergessen, nach London zu kommen, weil er gerade aus Nordrussland zurückgekehrt sei. Dann beweise er sofort Autorität und seine Verwurzelung im britischen Folkblues: mit einer Kaskade kristallklaren Fingerpickings und lang gehaltenen Tönen in „Universal Blue“, die den Raum füllen.
Falsche Bescheidenheit gehöre nicht zu Levens Repertoire. Er muss sich ein Exemplar seiner neuen CD aus dem Regal greifen, um sich zu erinnern, und ist sofort begeistert von seinem eigenen Werk. Die Belege folgen: „Exit Wound“ mit einem außergewöhnlichen Gesang zwischen zerhacktem Staccato und gequältem Grollen, das von Robert Frost inspirierte „Stopped By Woods“, das zwischen warmer Einladung und dunkler Warnung schwankt, und am besten das halb komische „Billy Ate My Pocket“, ein Lied über ein Pferd, das Detektiv wird – nicht bei der Polizei, „das wäre albern“, sondern als Privatdetektiv, spezialisiert auf Ehebruch.
Zwischen den Liedern reicht Levens Konversation von literarischen Reminiszenzen über freche Behauptungen zur Herkunft eines geachteten Organs bis zu einer drastischen Geschichte über eine Verdauungspanne auf einer Fähre über die Barentssee. Ohne eine solche Magen umdrehende Erzählung sei kein Leven-Auftritt vollständig; Martin glaubt aber, dass Leven kein Narr ist und weiß, dass gerade die hässliche Geschichte die Schönheit der Musik hervortreten lässt. Der Tenor des Berichts ist durchweg sehr positiv.
Zusammenfassung in eigenen Worten; den Wortlaut enthält das Original.
Oh God, I'm just remembering what a fantastic record this is, fucking awesome.
He doesn't join the police force - that would be silly. He's a private detective, specialising in adultery.
His attitude - irreverent, casual, offhand - contrasts with the wounded but loving solemnity at the heart of his songs.
This year's stupendous Creatures Of Light And Darkness album is further proof of his standing as the most naturalistic and profound blues artist operating in these islands.